Seniorenwohnheim
...ein sehr geschichtsträchtiger Bauplatz!
 
Leider konnten wir keine exakten Jahreszahlen über die Errichtung des ehemaligen Polthauses (Jagerberg 4) und Gasthauses Lackner (Jagerberg 54) eruieren. Trotzdem nachstehend einige interessante Daten über den Platz, wo nun 24 Kleinwohnungen entstanden sind. Gleich vorweg herzlichen Dank Herrn VR. Dr. Andreas und Frau Henriette Lackner für die freundlichen Auskünfte.
     

Polthaus Jagerberg 4
 

Gasthaus Jagerberg 54
     
Das ehemalige Polthaus (später Harbhaus) dürfte älter als 200 Jahre gewesen sind, das Haus vis a vis (Gasthaus) war etwas jünger. In der Jagerberger Gemeindechronik wird von einem Schulhaus im 16. Jahrhundert berichtet. Dieses stand auf dem Platz, wo jetzt das "Handy-Haus" steht. Um 1830 war dieses Schulhaus zu klein und schadhaft. Daher wurde ein Schulzimmer im "Harbschen Gewölbe" (Polthaus) angemietet. Das zuletzt abgetragene alte Schulhaus entstand erst später. Das Harbhaus (wo jetzt die Parkplätze für die Wohnungen sind) wurde um 1925 von der Raiffeisenkasse ersteigert, mußte aber zurückgegeben werden, weil die Raiffeisenkasse "keine Menschen ersteigern" durfte - ein gewisser Harb-Seppl hatte dort ein Wohnrecht. Danach ersteigerte Herr Josef Lackner die Harb-Liegenschaft (Harbhaus und ca. 14 Joch Grund). Weil er aber nicht genug Geld zur Bezahlung hatte, wurden die Grundstücke östlich von Jagerberg (Bereich wo am Notburgasonntag das Autodrom steht) an einzelne Bauern verkauft. Das Gasthaus hatte Herr Josef Lackner schon kurz früher gekauft. Der Ankauf des angrenzenden Harbgutes erschien wegen der engen Grenzen zum Nachbarsgrund unbedingt notwendig. Der Ehe Josef und Maria Lackner entstammen zwei Söhne, wobei der Bruder von VR. Dr. Andreas im zweiten Weltkrieg gefallen ist. Schuhmacher Josef Lackner war früher bei Familie Schober vlg. Stangl wohnhaft (nächst verwandt) und siedelte also nach Jagerberg, wo er beim Gasthaus einen Zubau errichtete (Extrastüberl) und dort zunächst seine Schuhmacherwerkstätte hatte. Übrigens: die Fenter des dortigen Zubaues stammten vom Tischler Baumann Peter (Vater unseres Bürgermeisters Josef Totter) und waren bis zum Abbruch des Gebäudes in tadellosem Zustand. Jahre später wurde aus dem Extrastüberl ein Gastraum und die Schusterei wurde in den Vorraum zur späteren Kegelbahn verlagert.
 

Abschlusskegeln des Gemeinderates
 

Gebäude Kegelbahn
 
Das Gasthaus wurde von Andreas und Henriette Lackner im Jahre 1966 übernommen, die Kegelbahnen wurden im Jänner 1967 in Betrieb genommen. Seit 1970 wirkten dann die Pächter Ploder, Suppan, Platzer und Omar als Wirtsleute in Jagerberg.
Herr Lackner Josef, der also seit den 20iger Jahren ein Gasthaus betrieb, verkaufte um 1933/34 die Schusterei-Gerätschaften an den uns bestens bekannten Schuhmachermeister Weber Franz, der bei ihm gearbeitet hatte und in Jagerberg mit seiner Familie sesshaft wurde. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Schusterei kaufte sich Herr Lackner Josef das sog. Muschitzhaus.
Doch nun zurück zum Harbhaus: Im vorderen Teil (Richtung Kirche) war eine Gemischwarenhandlung, dahinter kam eine Schneiderei (Herr Harb war Schneidermeister), danach die Tenne und der Stall. Der Stall war zugleich Schlafstelle für die "Einleger" oder "Kostgänger": die Gemeinde legte damals fest, wer wen wie lange zu behalten hat. Für die geleistete Arbeit erhielten die Kostgänger Essen und Logie.
 

Fahnenweihe des ÖKB
beim alten Kriegerdenkmal
 

Schuhmacher Weber und Lackner
beim Anwesen Stangl, Jagerberg 15
 
Während des zweiten Weltkrieges war im Harbhaus auch der Kindergarten Jagerberg untergebracht, später war im vorderen Raum des Harbhauses der Probenraum für die Blasmusikkapelle Jagerberg. Als dieser Teil immer mehr baufällig wurde, entschlossen sich die Besitzer Andreas und Henriette Lackner, diesen Hausabschnitt abzureissen und an der selben Stelle einen Gastgarten für das Gasthaus zu errichten. Zuletzt diente das übriggebliebene Harbhaus primär als Abstellfläche.
Ehe die Landesstraße durch Jagerberg ausgebaut wurde (Lehm- und Schotterstraße) wurde die Gemeinde "gezwungen" die Kanalisierung des Ortskernes Jagerberg durchzuführen. Das Ortszentrum von Jagerberg wurde im Vergleich zu anderen Gemeinden sehr früh kanalisiert. Im Zuge des Ausbaues der Otterstalstraße, der Landesstraße durch Jagerberg, wurde das schöne Kriegerdenkmal, das sich direkt neben der Landesstraße südlich des Harbhauses befand, zu jenem Standort verlegt, wo es sich heute befindet.
 
Geschätzte Gemeindebewohner, wir haben uns bemüht, ihnen einen kleinen geschichtlichen Rückblick über dieses geschichtsträchtige Fleckerl von Jagerberg zu geben. Bestimmt gäbe es dazu noch viel mehr zu schreiben, viele Jagerbergerinnen und Jagerberger könnten so manche Geschichte daüber erzählen. Schriftliche Aufzeichungen dazu sind leider sehr spärlich.
 
 
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