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Geschichte
Die Kirche und Pfarre St. Andrä in Jagerberg
Die Kirche von Jagerberg grüßt von einer idyllischen
Hügelkuppe freundlich ins Land. Um ihr Entstehen hat der Volksmund
einen Kranz von Sagen gewunden. Eine davon erzählt, dass sich
im Mittelalter über das Gebiet von Jagerberg ein Urwald ausgebreitet
hat, der mit Bären und Wildschweinen bevölkert war. In
diesem Wald ging der letzte Babenberger, Herzog Friedrich II. der
Streitbare, öfter auf die Jagd. Einst wurde er von einem Keiler
angefallen und zu Boden geworfen. In diesem Augenblick sprang ein
Jüngling aus dem Dickicht, erlegte den Keiler, der das Leben
des Herzogs bedroht hatte. Aus Dankbarkeit schlug der Herzog den
Jüngling auf der Stelle zum Ritter und verlieh ihm zur Erinnerung
an jenes Ereignis den Namen Schweinbeck. Ritter Schweinbeck I. fiel
mit dem Herzog in der Schlacht vor Neustadt am 15. Juni 1246.
Auf dem Jagdplatz ließ der Herzog eine Kirche bauen, die man
zuerst Jägerwerkh, das Werk frommer Jäger,
nannte.
Diese Legende erhält dadurch einen gewissen Wahrheitsgehalt,
weil sich tatsächlich Schweinbeck nachweisen lassen, die Lehen
um Radkersburg und Luttenburg hatten.
Jagerberg war um die Mitte des 13. Jahrhunderts eine länger
bestehende Pfarre. Der steirische Geschichtsforscher Julius Cäsar,
nennt die Kirche seine eccelesia plebaba, eine Pfarrkirche,
welche Ulrich, Erzbischof von Salzburg unrechtmäßig dem
Gundakar von Glatzau verpfändet hatte. Bernhard aber, der Bischof
von Seckau hat sie im Jahre 1269 wieder zum Bistum gebracht.
Der Landrichter handelte nach einem königlichen Befehl (damals
regierte in der Steiermark König Ottokar II. von Böhmen),
nachdem die enteigneten oder veräußerten Kirchengüter
wieder in die Obhut des Bistums zurückzustellen waren. Nach
der Pfarrgründung in Wolfsberg um 1322 war Jagerberg ein eigener
Seelsorgebezirk, eine Filialkirche, vielleicht zeitweise sogar mit
einem ständigen Priester.
Um das Jahr 1480 und 1481 wurde die Kirche in Jagerberg vom Seckauer
Bischof konsekriert. Um diese Zeit sah unsere Gegend wiederholt
Einfälle der Ungarn und Türken, die viele Ortschaften
zerstörten. Es ist durchaus möglich, dass solche Ereignisse
die Kirche von Jagerberg in Mitleidenschaft gezogen haben, dass
nach einer Renovierung eine Weihe notwendig war. Das nächste
Jahrzehnt scheint auch nicht viel besser gewesen zu sein, denn am
25. Jänner 1498, dem Bekehrungsfest des heiligen Paulus ist
die Kirche mit einem Friedhof wiederaufgebaut worden, nachdem sie
durch den Vorgang der Zeit verwunschen (verwüstet) worden war.
Bischof Matthäus weihte sie auf die Ehre der heiligen ungeteilten
Dreifaltigkeit und der ruhmreichen Gottesgebärerin Maria, vornehmlich
aber auf die Ehre des heiligen Apostels Andreas. Der Hochaltar des
heiligen Apostels Andreas war unverwüstet (unverletzt) geblieben.
Der Bischof hat auch noch zwei andere Altäre geweiht. Einen
auf der rechten Seite zur Ehre der Märtyrer Achatius und seiner
Gefährten Sebastian, Christoph, deren Reliquien darin enthalten
sind, und auf der linken Seite zu Ehre der heiligen Jungfrauen und
Märtyrer Barbara, Ursula mit ihren Gefährten Ottilie und
anderer Jungfrauen, deren Reliquien ebenfalls enthalten sind. Diese
Seitenaltäre bestehen nicht mehr.
Am Markustag und zum Kirchweihfest beteten die Jagerberger in einer
Prozession nach Wolfsberg, zum Fest des heiligen Florian nach dem
Hochamt nach Straden. Diese war eine verlobte Prozession zur Abwendung
des Feuers. Am Peterstag wiederum ging eine Prozession nach St.
Peter am Ottersbach. Auch nach St. Stefan gingen die Jagerberger
einmal im Jahr.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wollte man die Pfarre von Wolfsberg
nach Jagerberg verlegen, weil ein Teil der Pfarrbevölkerung
mit dem Pfarrer nicht zufrieden war. Eine Kommission des Bischofs
untersuchte den Fall und stellte in einem Gutachten fest, dass es
in Jagerberg keine Pfründe gebe, die einen Pfarrer ernähren
würden. So blieb die Pfarre wieder in Wolfsberg. Die Jagerberger
gingen aber dennoch nicht leer aus, weil der Bischof bei der Andreaskirche
ein Vikariat errichtete. Der Vikar hatte pfarrliche Rechte, unterstand
aber in wirtschaftlicher Hinsicht dem Pfarrer von Wolfsberg. Der
Pfarrer nannte sich nun Pfarrer von Wolfsberg und Jagerberg.
Im Jahre 1613 wurde der Priester Georg Perger als erster Vikar in
Jagerberg angestellt. Später übersiedelte er nach Wolfsberg
und starb dort 1634. Wer ihm als Vikar in Jagerberg folgte, ist
nicht bekannt. Erst am 6. Juni 1709 hören wir wieder von einem
Vikar zu Wolfsberg und Jagerberg, Ignaz Mistelberger. Dieser schrieb
dem Bischof wegen des Baues einer neuen Sakristei und des Oratoriums.
Für den Turmbau im Jahre 1770 gibt es zwei Nachrichten. Die
eine sagt, daß der Kirchturm laut der darauf befindlichen
Jahreszahl 1770 massiv aus dem Materiale des etwa eine Viertelstunde
südlich auf dem nämlichen Bergrücken gelegenen Schlosse
Edlau erbaut wurde. Mit dem Schlosse Edlau kann nur der Turm
der Jagerberger der am Nordhang des Schlegelberges bezeugt ist,
gemeint sein. Die zweite Nachricht sagt nur, dass der Kirchturm
erhöht wurde.
Nach zwei Jahren bekam die Kirche einen neuen Hochaltar. Fromme
Wohltäter legten Geld für heilige Messen an, auch gab
es 180 Zinskühe.
Die Kirchenraitung vom 31. Dezember 1782 gibt einen Einblick in
die damaligen Verhältnisse. Bei dieser Kirche befinden
sich gar keine Realitäten, beginnt der Bericht.
Die Andreaskirche in Jagerberg besitzt eine Monstranze, die im Jahre
1855 im Aufmerksamen genau beschrieben wurde: Dieselbe
ist von Silber, zwei Fuß, drei und einen halben Zoll hoch
und in der größten Breite sieben Zoll messend. Sie zeigt
in ihren teils architektonischen, teils aus dem Pflanzenreiche entnommenen
Verzierungen, sowie in dem Stile der Figürchen und in den Buchstaben
der Inschriften den Anfang des XV. Jahrhunderts. Die Inschriften
an jenem Teile der Monstranze angebracht, an welchem sie getragen
wird: Maria hilf VN. Dann weiter unten: IHS VS. Die Hauptfigur stellt
den heiligen Andreas vor, rechts (heraldisch) ist der heilige Sebastian,
links die heilige Jungfrau mit dem Kinde angebracht. Die ganze Arbeit
ist geschmackvoll gezeichnet und fleißig durchgeführt.
An mehreren Stellen kommen einfache, mit dem Stichel eingegrabenen,
größtenteils winkelförmige Zeichen (jene des Werkmeisters?)
vor. Oben geht der Bau des ganzen in einen Turm, dieser in einer
Rose aus und auf dieser befindet sich Christus am Kreuze. Die Erhaltung
des ganzen ist vorzüglich, nur dürfte das den Halbmond
und die Gläser umfassende Gehäuse in neuerer Zeit überarbeitet
worden sein. Sowie keine Inschrift auf den Stifter dieses schönen,
der Vervielfältigung durch das Bild würdigen Weihgefäßes
hinweist, so weiß auch das Kircheninventar nichts darüber
anzugeben. Einer Sage nach soll Jagerberg einst ein befestigter
Edelsitz (Turm der Jagerberger, Schloß Edlau?) gewesen sein,
wofür die Lage der Kirche und ihr mächtiger Turm spricht.
Ein Herr desselben soll in Feindesgefahr eine Monstranze in seine
Schloßkapelle zu stiften gelobt haben. Nach errungenem Siege
habe er die eben besprochene verfertigen lassen. Nach einer anderen
Version rief ein türkischer Anführer, als sie gegen St.
Stefan zogen: Heute haben wir St. Stefan und Jagerberg, morgen
werden sie mein Roßstall sein! Über diesen Spott
erblindete er. Wenn ich wieder sehend werde, gelobte
er, dann opfere ich ein goldenes Hufeisen nach St. Stefan
und eine goldene Monstranze nach Jagerberg. Er wurde sehend
und hielt sein Versprechen.
Die Kirche von Jagerberg, die eine ähnliche Funktion wie Straden
gehabt haben könnte, ist heute noch mit einer Mauer umgeben.
Die Waffen wurden im Kirchenkeller (hinter dem Musikchor) aufbewahrt.
Im Turm befindet sich ein gemauerter Herd in einem Raum, in dem
die Jagerberger bei Feindgefahr Schutz gesucht haben. Die Sage scheint
eine Dichtung des 19. Jahrhunderts zu sein, um die Herkunft der
spätgotischen Monstranze zu erklären. Die Pfarrchronik
erzählt, dass sich am spätgotischen Portal der Kirche
die Jahreszahlen 1286 und 1611 befinden. Diese sind jetzt nicht
mehr sichtbar. Fachleute bezweifeln die Echtheit der Jahreszahl
1286 und halten sie für einen Übertragungsfehler. Einzelne
Steinfenster der Kirche stammen aus dem 14. Jahrhundert, das Tonnengewölbe
mit Schmuckkrippen aus dem späten 16. Jahrhundert. Eine Sonnenuhr
stammt vom Jahre 1580. Eine Merkwürdigkeit ist das ober dem
Sakristeifenster eingemauerte Steinbasrelief mit der Inschrift:
den bylem. Im Pfarrhof wird auch ein türkischer Schellenbaum
mit Roßschweif aufbewahrt, der früher der Musikkapelle
voran getragen wurde.
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